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Botulinumtoxin in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kinderwunsch

Hautschimmer Redaktion|
Saskia Heer

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin

Dieser Artikel stammt von der Hautschimmer Redaktion. Für eine persönliche ärztliche Einordnung Ihrer Fragen ist Saskia Heer Ihre Ansprechpartnerin.

Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.

Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern

Ein positiver Schwangerschaftstest wenige Wochen nach einer Faltenbehandlung, ein Baby, das noch gestillt wird, oder der Plan, bald schwanger zu werden: Dann stellt sich schnell die Frage, ob Botulinumtoxin dem Kind schaden kann. Dieser Artikel fasst zusammen, was die amtlichen Fachinformationen, das Beratungszentrum Embryotox der Charité und Studien dazu sagen – sachlich und ohne Empfehlung.

Die kurze Antwort

  • • Die Fachinformationen der zur Faltenbehandlung zugelassenen Präparate raten von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ab. Der Grund ist vor allem fehlendes Wissen beim Menschen, kein nachgewiesener Schaden.
  • • Embryotox empfiehlt, kosmetische Behandlungen in der Schwangerschaft zu unterlassen. Für eine bereits erfolgte Anwendung nennt Embryotox keine Konsequenzen.
  • • Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gibt es bisher nicht. Die Daten stammen aber vor allem aus Fallberichten und einer Herstellerdatenbank.
  • • In die Muttermilch gelangen nach den wenigen Messungen, wenn überhaupt, nur sehr geringe Mengen. Untersucht wurden nur einzelne Frauen.
  • • Eine feste Wartezeit zwischen letzter Behandlung und Schwangerschaft nennen weder die Fachinformationen noch Embryotox.
  • Was die Fachinformationen sagen

    Die Fachinformation ist der amtlich geprüfte Text eines Arzneimittels für Ärztinnen und Ärzte. Abschnitt 4.6 behandelt Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Stillzeit. Die Angaben hier stammen aus den Fachinformationen dreier zur Faltenbehandlung zugelassener Präparate verschiedener Hersteller, hier A, B und C genannt (Fachinformation A; Fachinformation B; Fachinformation C).

    Alle drei halten fest: Für Schwangere liegen keine ausreichenden Daten vor. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Die Formulierungen unterscheiden sich in ihrer Strenge.

    QuelleSchwangerschaftStillzeitFruchtbarkeit und Kinderwunsch
    Fachinformation AAnwendung nicht empfohlenkann nicht empfohlen werdennicht empfohlen bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten; bei Ratten verminderte Fruchtbarkeit
    Fachinformation Bdarf nicht angewendet werdenkann nicht empfohlen werdenkeine Daten beim Menschen; im Tierversuch kein direkter Einfluss
    Fachinformation Cnur, wenn eindeutig erforderlich und der Nutzen das Risiko rechtfertigtsollte nicht angewendet werdenkeine Daten beim Menschen; bei Kaninchen keine Nachteile
    Embryotoxkosmetisch unterlassen; medizinisch nach kritischer Abwägung; nach erfolgter Anwendung keine KonsequenzenÜbergang unwahrscheinlich; bei dringender medizinischer Indikation akzeptabelkeine feste Wartezeit genannt

    Was die Tierversuche zeigen

    Schäden beim ungeborenen Tier traten vor allem bei hohen Dosen auf. Laut Fachinformation A zeigten Mäuse, Ratten und Kaninchen dann eine verzögerte Knochenbildung und ein geringeres Gewicht der Feten. Fehlbildungen wurden nicht beobachtet. Laut Fachinformation B fand sich beim 60- bis 100-Fachen der empfohlenen Dosis beim Menschen keine Schädigung der Feten. Fachinformation C beschreibt bei Dosen, unter denen die Muttertiere Gewicht verloren, mehr Fehlgeburten bei Kaninchen.

    Was Embryotox sagt

    Embryotox ist das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin. Botulinumtoxin ordnet Embryotox als Wirkstoff ein, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt. Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft bezeichnet es als mittel (Embryotox: Clostridium botulinum Toxin).

  • • Botulinumtoxin scheint nicht über die Plazenta zum Kind zu gelangen. Nach bestimmungsgemäßer lokaler Injektion sind laut Embryotox keine systemischen Wirkstoffspiegel zu erwarten. Das ist kein uneingeschränkter Ausschluss einer seltenen Ausbreitung der Wirkung.
  • • Bei über 100 dokumentierten Schwangerschaften mit Behandlung im ersten Drittel ergaben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Weil nur wenige Berichte von ausreichender Qualität sind, ist eine genaue Risikobewertung nicht möglich.
  • • Auch für das zweite und dritte Drittel gibt es keine Hinweise auf Schäden. Lähmungen oder Muskelschwäche bei Neugeborenen wurden nicht berichtet.
  • • Bei Schwangeren mit einer Botulinumvergiftung bewegte sich das Kind im Mutterleib normal, obwohl die Mutter vollständig gelähmt war.
  • Die Empfehlung von Embryotox: Für kosmetische Zwecke soll Botulinumtoxin in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei einer medizinischen Indikation kann es nach kritischer Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. Je nach Erkrankung sollen besser untersuchte Wirkstoffe bevorzugt werden.

    Was Studien zur Schwangerschaft zeigen

    Die größte Auswertung stammt von einem Hersteller. Sie umfasst Meldungen aus dessen weltweiter Sicherheitsdatenbank von 1990 bis 2018. Einbezogen waren Frauen, die in der Schwangerschaft oder bis zu drei Monate vor der Empfängnis behandelt wurden. Von 913 gemeldeten Schwangerschaften hatten 397 einen bekannten Ausgang. Häufigster Anlass war eine ästhetische Behandlung. Unter 152 Lebendgeburten aus Schwangerschaften, die vor ihrem Ausgang gemeldet worden waren, hatte ein Kind eine schwere Fehlbildung (0,7 Prozent). In der Allgemeinbevölkerung liegt diese Rate laut den Autoren bei 3 bis 6 Prozent (Studie: Schwangerschaftsverläufe aus 29 Jahren Herstellerdaten).

    Die Grenzen sind deutlich: Die meisten Autorinnen und Autoren arbeiten für den Hersteller, Meldedaten sind lückenhaft, und zum zweiten und dritten Drittel gibt es kaum Daten. Die Korrektur von 2025 betrifft die Abbildung: Sie nennt 195 prospektiv und 202 retrospektiv gemeldete Schwangerschaften. Die Gesamtzahl von 397 mit bekanntem Ausgang bleibt damit gleich. Eine frühere Auswertung derselben Datenbank kam zu einem ähnlichen Ergebnis (Studie: Schwangerschaftsverläufe aus 24 Jahren Herstellerdaten).

    Unabhängige Übersichtsarbeiten zeigen in dieselbe Richtung, betonen aber die Lücken. Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2026 mit 18 Studien und 486 Schwangerschaften konnte keinen direkten Zusammenhang zwischen Behandlung und Schäden oder Verlusten beim Kind ableiten. Die Daten reichen laut den Autorinnen und Autoren aber nicht aus, um Sicherheit zu belegen (Systematische Übersicht: Botulinumtoxin in der Schwangerschaft). Eine Übersicht zur Anwendung bei neurologischen Erkrankungen mit 43 Arbeiten und 658 Fällen fand im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung keine erhöhte Rate an Fehlgeburten oder Fehlbildungen. Auch hier betrafen die meisten Berichte das erste Drittel und Dosen unter 200 Einheiten (Übersicht: Botulinumtoxin in Schwangerschaft und Stillzeit).

    Versehentlich in der Schwangerschaft behandelt – was nun?

    Eine Schwangerschaft ist in den ersten Wochen oft noch nicht bekannt. In der Herstellerauswertung lagen 94,6 Prozent der Behandlungen mit bekanntem Zeitpunkt vor der Empfängnis oder im ersten Drittel.

    Unter „Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft“ steht bei Embryotox: „Keine.“ Die bisher vorliegenden Daten geben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Folgende Schritte sind dennoch sinnvoll:

  • • Frauenärztin oder Frauenarzt informieren: am besten mit Datum, behandelter Region und, wenn bekannt, Präparat und Dosis.
  • • Beratung nutzen: Embryotox berät Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch kostenlos und individuell, telefonisch und über Online-Fragebögen. Über diese Fragebögen lässt sich eine Anwendung in der Schwangerschaft auch melden. Solche Meldungen erweitern das Wissen für künftige Schwangere (Embryotox: Beratung).
  • • Bei der Geburtsplanung erwähnen: Embryotox beschreibt einen Fallbericht, in dem die Überwachung der Muskelentspannung bei einer Narkose zur Geburt erschwert war. Dafür wird oft die Augen- und Lidmuskulatur stimuliert. Die Behandlung im ersten Drittel war dem Team nicht bekannt.
  • Weitere kosmetische Behandlungen sollen laut Embryotox bis zum Ende der Schwangerschaft unterbleiben.

    Stillzeit: Was über die Muttermilch bekannt ist

    Die Fachinformationen raten von der Anwendung in der Stillzeit ab, weil nicht bekannt ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Embryotox hält einen Übergang für unwahrscheinlich, weil nach der Injektion keine Wirkstoffspiegel im Blut zu erwarten sind. Beschrieben ist ein acht Monate altes Kind, das während einer Botulinumvergiftung der Mutter weiter gestillt wurde. Es blieb unauffällig, in der Muttermilch fand sich kein Toxin. Bei dringender medizinischer Indikation hält Embryotox die Anwendung in der Stillzeit für akzeptabel. Eine eigene Aussage zur kosmetischen Anwendung macht Embryotox für die Stillzeit nicht.

    Inzwischen gibt es erste Messungen nach Behandlungen im Gesicht. In einer Pilotstudie erhielten vier stillende Frauen 40 bis 92 Einheiten. In 8 von 16 Milchproben aus fünf Tagen war kein Botulinumtoxin nachweisbar. In den übrigen wurden geringe Mengen gemessen. Daraus lässt sich allein keine Sicherheit für gestillte Säuglinge ableiten; ein Vergleich mit einer tödlichen Dosis beantwortet diese Frage nicht. Die Milch wurde nicht an Kinder verfüttert (Pilotstudie: Muttermilchproben nach Behandlung im Gesicht). Eine zweite Studie mit drei Frauen fand mit einem Labortest sehr geringe Mengen, andere Messverfahren bestätigten das nicht eindeutig (Studie: Messung in der Muttermilch nach Behandlung im Gesicht).

    Die US-Datenbank LactMed fasst den Stand im September 2026 so zusammen: Untersucht ist nur ein Präparat in kosmetischen Dosen. Eine systematische Übersicht fand bei 94 gestillten Kindern keine unerwünschten Ereignisse und keine Entwicklungsverzögerung nach einem Jahr. Höhere Dosen für andere Erkrankungen sind nicht untersucht (LactMed: Botulinum Toxins, Therapeutic).

    Diese Daten stammen von sehr wenigen Frauen und ändern nichts an den Angaben der Fachinformationen. Stillende berät Embryotox aus Kapazitätsgründen nicht. Ansprechpartner sind Kinderärztin, Frauenärztin, Hebamme, Stillberatung oder Apotheke.

    Kinderwunsch: Behandlung vor einer geplanten Schwangerschaft

    Fachinformation A empfiehlt, Botulinumtoxin bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht anzuwenden. Wer aktiv versucht, schwanger zu werden, fällt in diese Gruppe. Einige weitere Präparate formulieren ähnlich.

    Eine feste Wartezeit zwischen der letzten Behandlung und der Empfängnis nennen weder die Fachinformationen noch Embryotox. Die Wirkung im Muskel lässt nach, weil sich neue Nervenendigungen bilden. Laut Fachinformation A ist die Übertragung innerhalb von 12 Wochen wiederhergestellt. Dass die Herstellerauswertung Behandlungen bis drei Monate vor der Empfängnis einschloss, ist eine Festlegung für die Studie, keine Empfehlung.

    Zur Fruchtbarkeit fehlen aussagekräftige Daten beim Menschen. Bei Ratten verringerte sich die Fruchtbarkeit nur bei hohen Dosen. Laut Fachinformation B lag das an selteneren Paarungen durch Muskellähmung. Für die Planung einer Schwangerschaft bietet Embryotox einen eigenen Fragebogen an.

    Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

    Unabhängig davon gelten die üblichen Gegenanzeigen: eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil, Myasthenia gravis, das Lambert-Eaton-Syndrom und Infektionen an der Einstichstelle. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Reaktionen an der Einstichstelle und ein vorübergehend hängendes Oberlid oder eine hängende Augenbraue. Bei Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen ist sofort ärztliche Hilfe nötig (Fachinformation A). Mehr dazu im Artikel Botulinumtoxin: Nebenwirkungen und Langzeitfolgen.

    Häufige Fragen

    Ich wusste nichts von der Schwangerschaft und wurde behandelt. Muss ich mir Sorgen machen?

    Die bisherigen Daten geben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, und Embryotox nennt keine Konsequenzen. Informieren Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Embryotox berät kostenlos.

    Darf man in der Stillzeit Botulinumtoxin bekommen?

    Die Fachinformationen raten davon ab. Embryotox hält die Anwendung bei dringender medizinischer Indikation für akzeptabel. Kleine Messungen fanden keine oder nur sehr geringe Mengen in der Milch.

    Muss ich nach einer Behandlung abstillen oder Milch verwerfen?

    Eine solche Empfehlung enthalten weder die Fachinformationen noch Embryotox. Klären Sie Ihre Situation mit Kinderärztin, Frauenärztin, Hebamme oder Apotheke.

    Wie lange sollte man nach einer Behandlung mit dem Schwangerwerden warten?

    Eine amtlich festgelegte Wartezeit gibt es nicht. Die Fachinformationen raten von der Anwendung ab, solange Frauen im gebärfähigen Alter nicht verhüten.

    Geht Botulinumtoxin auf das ungeborene Kind über?

    Laut Embryotox scheint der Wirkstoff nicht über die Plazenta zu gelangen. Nach bestimmungsgemäßer lokaler Injektion sind laut Embryotox keine systemischen Wirkstoffspiegel zu erwarten. Das ist kein uneingeschränkter Ausschluss einer seltenen Ausbreitung der Wirkung.

    Und bei medizinischen Gründen wie Migräne?

    Bei medizinischer Indikation hält Embryotox die Anwendung nach kritischer Nutzen-Risiko-Abwägung für möglich. Je nach Erkrankung sollen besser untersuchte Wirkstoffe bevorzugt werden.

    Amtliche Informationen

    Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Botulinumtoxin werden im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen. Verbindliche Angaben enthalten die amtliche Fachinformation und die Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats. Sie sind über das Arzneimittel-Informationssystem auf PharmNet.Bund abrufbar. Stand der Angaben: Oktober 2026.