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Hyaluronidase (Hylase): Wirkung, Zulassung und Risiken

Hautschimmer Redaktion|
Saskia Heer

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin

Dieser Artikel stammt von der Hautschimmer Redaktion. Für eine persönliche ärztliche Einordnung Ihrer Fragen ist Saskia Heer Ihre Ansprechpartnerin.

Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.

Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern

Hyaluronidase ist ein Enzym, das Hyaluronsäure spaltet. In Deutschland ist es als Arzneimittel unter dem Namen HYLASE „Dessau“ zugelassen. Dieser Artikel fasst zusammen, was die amtliche Fachinformation und die Fachliteratur zu Wirkung, Zulassung und Risiken sagen.

Die kurze Antwort

Hyaluronidase baut Hyaluronsäure im Gewebe ab. Das Präparat HYLASE „Dessau“ 150 I.E. ist verschreibungspflichtig. Laut Fachinformation ist es nur für die Augenheilkunde zugelassen. Das Auflösen von Hyaluron-Fillern gehört nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. Es ist eine Anwendung außerhalb der Zulassung, die in Fachliteratur und Konsenspapieren beschrieben wird. Filler aus anderen Materialien spaltet das Enzym nicht. Das wichtigste bekannte Risiko sind allergische Reaktionen.

Was ist Hyaluronidase?

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des Bindegewebes. Hyaluronidase zerlegt diese Verbindung in kleinere Teile. Laut Fachinformation von HYLASE „Dessau“ 150 I.E. spaltet das Enzym Bestandteile der Zwischenzellsubstanz, vor allem Hyaluronsäure und verwandte Stoffe wie Chondroitin. Das Gewebe wird dadurch vorübergehend durchlässiger. Flüssigkeiten verteilen sich leichter. Die Fachinformation bezeichnet das Enzym deshalb auch als „Diffusionsfaktor“.

Die Wirkung ist begrenzt. Im Blut wird das Enzym innerhalb weniger Minuten abgebaut. Im Gewebe hält die Wirkung laut Fachinformation mindestens 12 Stunden an. Die Fachinformation beschreibt nach 2 bis 4 Tagen eine Rückkehr zur ursprünglichen Gewebebeschaffenheit, mit Ausnahmen bei einer Depotbildung des Enzyms. Gemeint ist die vorübergehende Veränderung der Gewebedurchlässigkeit. Daraus folgt keine Zusage, dass nach einer Fillerauflösung das frühere Aussehen vollständig wiederhergestellt wird.

Hyaluronidase kommt auch in der Natur vor, zum Beispiel im Gift von Bienen und Wespen. Medizinische Präparate werden aus tierischem Gewebe gewonnen oder gentechnisch hergestellt (Arrigoni et al. 2025).

Welches Präparat ist in Deutschland zugelassen?

Der Hersteller ESTEVE stellt auf seiner deutschen Produktseite Informationen zu HYLASE „Dessau“ in den Stärken 150 und 300 I.E. bereit. Die folgenden Angaben beziehen sich ausdrücklich auf die Fachinformation der Stärke 150 I.E.; ein vollständiger Marktüberblick ist damit nicht verbunden:

MerkmalAngabe laut Fachinformation
WirkstoffHyaluronidase, 150 I.E. je Durchstechflasche
Herkunftaus Stierhoden gewonnen und gereinigt
DarreichungsformPulver zur Herstellung einer Injektionslösung
Sonstiger BestandteilGelatinehydrolysat
AnwendungsgebietAugenheilkunde: zusammen mit örtlichen Betäubungsmitteln bei Injektionsanästhesien für Augenoperationen
Abgabeverschreibungspflichtig
ZulassungsinhaberEsteve Pharmaceuticals GmbH, Berlin
Zulassungsnummer3000248.00.00
Stand der Information11/2021

Auch die vom Hersteller bereitgestellte Gebrauchsinformation für 300 I.E. nennt die Augenheilkunde als Anwendungsgebiet. Maßgeblich ist immer die Information der tatsächlich verwendeten Stärke.

Gentechnisch hergestellte menschliche Hyaluronidase ist in der EU zum Beispiel als Bestandteil eines Immunglobulin-Präparats zugelassen. Dort hilft sie, dass sich das Arzneimittel unter der Haut verteilt (Europäische Arzneimittel-Agentur).

Ist das Auflösen von Fillern von der Zulassung umfasst?

Nein. Die Fachinformation nennt als Anwendungsgebiet nur die Augenheilkunde. Das Auflösen von Hyaluron-Fillern ist dort nicht aufgeführt. Es handelt sich um eine Anwendung außerhalb der Zulassung, auch „Off-Label-Use“ genannt.

Eine Übersichtsarbeit von 2025 hält fest: In der EU ist diese Anwendung nicht zugelassen. In der Fachwelt ist sie aber verbreitet und beschrieben. Auch eine britische Leitlinie stuft das Auflösen von Hyaluron-Fillern als Anwendung außerhalb der Zulassung ein. Sie verlangt, dass Patientinnen und Patienten im Rahmen der Einwilligung über diesen Status aufgeklärt werden. Ein internationaler Konsens beschreibt Hyaluronidase bei verschiedenen Komplikationen nach Hyaluron-Fillern.

Die Fachliteratur nennt auch Grenzen. Nicht alle Hyaluron-Filler reagieren gleich auf das Enzym (Signorini et al. 2016). Stärker vernetzte Produkte werden langsamer abgebaut (Jung 2020). Für die Anwendung gibt es keine einheitlichen Standards (Arrigoni et al. 2025).

Was Hyaluronidase nicht auflöst

Das Enzym wirkt auf Hyaluronsäure und verwandte Stoffe. Filler aus anderen Materialien löst es nicht auf. Kroumpouzos und Treacy (2024) nennen ausdrücklich Poly-L-Milchsäure, Calciumhydroxylapatit und Polymethylmethacrylat.

Poly-L-Milchsäure und Calciumhydroxylapatit baut der Körper auf anderen Wegen ab, etwa durch Hydrolyse. Sie bleiben meist bis zu zwei Jahre im Gewebe, in Einzelfällen länger. Dauerhafte Filler bleiben lebenslang (Wollina und Goldman 2024). Der internationale Konsens hält fest: Die Möglichkeit, Unregelmäßigkeiten mit Hyaluronidase rückgängig zu machen, haben andere Filler-Arten nicht (Signorini et al. 2016).

Es gibt auch Mischprodukte aus Hyaluronsäure und Calciumhydroxylapatit. Hier betrifft die Spaltung den Hyaluron-Anteil (Philipp-Dormston et al. 2025). Calciumhydroxylapatit selbst gehört zu den Stoffen, die das Enzym nicht auflöst.

Risiken und Nebenwirkungen

HYLASE „Dessau“ wird aus tierischem Gewebe gewonnen. Laut Fachinformation sind allergische Reaktionen trotz des sehr geringen Gehalts an Rinderproteinen nicht sicher auszuschließen. Sie sind selten, ihre Häufigkeit liegt unter 0,1 Prozent. In seltenen Fällen kommt es zu einem allergischen Schock. Mögliche Zeichen sind unter anderem Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen etwa an Gesicht, Lippen oder Hals, Atemnot, Herzrasen, Schwindel und Übelkeit. Vor jeder Injektion müssen deshalb Vorkehrungen getroffen sein, um bei einer Komplikation sofort handeln zu können.

Übersichtsarbeiten nennen eine Allergierate von 0,05 bis 0,69 Prozent (Jung 2020). Die meisten Reaktionen treten sofort auf. Verzögerte Reaktionen nach Stunden oder Tagen sind möglich (Arrigoni et al. 2025). Eine Übersichtsarbeit sieht frühere Injektionen von Hyaluronidase oder eine Sensibilisierung durch Insektengift, etwa durch Wespenstiche, als möglichen Hauptrisikofaktor (Guliyeva et al. 2024). Der Grund: Auch Bienen- und Wespengift enthält Hyaluronidase (Murray et al. 2021).

Weitere Nebenwirkungen laut Fachinformation: Bestehende Infektionen können sich verstärken. Selten kommt es zu erhöhter Temperatur, Zahnlockerung oder verstärkter Regelblutung. In Einzelfällen wurden unangenehme Schmerzen bei der Injektion berichtet.

BereichAuszug aus der Fachinformation
GegenanzeigenÜberempfindlichkeit gegen Hyaluronidase, Rinderproteine oder Gelatinehydrolysat; Infektionen oder Injektion in ein infiziertes Gebiet; Krebserkrankungen; angeborene Herzfehler, venöser Stau oder Schockzeichen; Schwellungen durch Stiche oder Bisse
Schwangerschaft und Stillzeitab dem dritten Schwangerschaftsdrittel und in der Stillzeit nicht anwenden; im ersten und zweiten Drittel nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung
Kinder und Jugendlichesoll wegen unzureichender Daten nicht angewendet werden
WechselwirkungenDie Wirkung kann unter anderem durch Antihistaminika, Heparin, Salicylate, Vitamin C und Flavonoide abgeschwächt werden. Alkohol soll vor, während und kurz nach der Anwendung gemieden werden, weil das Präparat die Alkoholwirkung verstärkt.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können Sie selbst beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden.

Hauttest vorab: Was bekannt ist

Die Fachinformation sieht keinen Hauttest vor. In der Fachliteratur ist sein Nutzen umstritten. Kroumpouzos und Treacy (2024) beschreiben einen Test außerhalb von Notfällen als optional. In Notfällen soll er die Behandlung nicht verzögern. Die britische Leitlinie hält die übliche Testpraxis für weder valide noch verlässlich, weil es keine geprüfte Testkonzentration gibt. Eine Übersicht von 2025 fasst zusammen: Ohne allergische Vorgeschichte raten Fachleute inzwischen von Routinetests ab. Wer schon einmal schwer auf Hyaluronidase oder Insektengift reagiert hat, soll an eine allergologische Stelle überwiesen werden.

Gefäßverschluss nach Filler: Einordnung

Ein seltenes, aber ernstes Risiko von Filler-Behandlungen ist ein Gefäßverschluss. Er kann entstehen, wenn Filler-Material in ein Blutgefäß gelangt. Eine verlässliche einheitliche Häufigkeit für jede Fillerbehandlung lässt sich nicht angeben; Region, Produkt, Technik und Erfassung unterscheiden sich. Entscheidend sind das frühe Erkennen und die unverzügliche Behandlung.

Der internationale Konsens nennt Hyaluronidase als Teil der Sofortmaßnahmen bei einem Gefäßverschluss durch Hyaluron-Filler. Er empfiehlt, das Enzym bereitzuhalten, soweit die örtlichen Vorschriften es erlauben. Als Warnzeichen nennt er unter anderem eine netzartige Hautverfärbung, scharf begrenzte Rötung, Pusteln und Schmerzen. Die britische Leitlinie stuft einen Gefäßverschluss als eilig ein. Bei Seh- oder neurologischen Störungen gilt er als zeitkritisch. Bei plötzlichen Sehstörungen, Augenschmerzen mit Sehverschlechterung oder neurologischen Symptomen wie Sprachstörungen und Lähmungen: sofort 112 anrufen. Starke oder ungewöhnliche Schmerzen sowie weiße, graue oder netzartig bläuliche Haut nach einer Unterspritzung müssen ebenfalls unverzüglich ärztlich beurteilt werden. Kontaktieren Sie sofort die behandelnde Praxis; wenn sie nicht erreichbar ist, suchen Sie direkt eine Notfallversorgung auf und warten Sie nicht auf einen späteren Rückruf. Die Behandlung selbst gehört in ärztliche Hände.

Verschreibungspflicht

HYLASE „Dessau“ ist laut Fachinformation verschreibungspflichtig. Solche Arzneimittel dürfen nur auf ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung an Verbraucherinnen und Verbraucher abgegeben werden (§ 48 Arzneimittelgesetz). Die Anwendung gehört in die Hände qualifizierten medizinischen Personals, das Risiken erkennen und behandeln kann.

Häufige Fragen

Was ist Hylase?

Hylase ist der Handelsname eines Arzneimittels mit dem Enzym Hyaluronidase. Die vollständige Bezeichnung lautet HYLASE „Dessau“. Es ist ein Pulver, aus dem eine Injektionslösung hergestellt wird. Zugelassen ist es für die Augenheilkunde (Fachinformation).

Ist das Auflösen von Hyaluron mit Hylase zugelassen?

Nein. Das Auflösen von Hyaluron-Fillern steht nicht in der Zulassung. Es ist eine Anwendung außerhalb der Zulassung, die in der Fachliteratur beschrieben wird (Murray et al. 2021).

Was kostet eine Behandlung mit Hylase?

Ärztliche Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Die Höhe richtet sich unter anderem nach Schwierigkeit und Zeitaufwand (§ 5 GOÄ). Verbrauchte Arzneimittel können als Auslagen hinzukommen (§ 10 GOÄ). Die Kosten hängen deshalb vom Einzelfall ab.

Löst Hyaluronidase jeden Filler auf?

Nein. Filler aus Poly-L-Milchsäure, Calciumhydroxylapatit oder Polymethylmethacrylat löst das Enzym nicht auf (Kroumpouzos und Treacy 2024). Auch Hyaluron-Filler reagieren unterschiedlich stark (Signorini et al. 2016).

Baut der Körper Hyaluron-Filler auch selbst ab?

Ja. Körpereigene Hyaluronidase und andere Vorgänge bauen Hyaluron-Filler mit der Zeit ab. Wie lange ein Filler hält, hängt unter anderem von seiner Vernetzung ab (Wollina und Goldman 2024).

Gibt es Hylase ohne Rezept?

Nein. Das Präparat ist verschreibungspflichtig. Apotheken geben es nur auf ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung ab (§ 48 Arzneimittelgesetz).

Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Hyaluronidase werden im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen. Verbindliche Angaben zum Arzneimittel enthält die amtliche Fachinformation. Fach- und Gebrauchsinformationen zugelassener Arzneimittel finden Sie auch im Arzneimittel-Informationssystem auf PharmNet.Bund.