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Barbie-Trend: Botulinumtoxin im Trapezmuskel – Studien, Risiken

Saskia Heer|
Saskia Heer

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin

Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.

Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern

In sozialen Medien heißt es „Barbie-Trend“: Botulinumtoxin wird in den Trapezmuskel zwischen Nacken und Schulter gespritzt, damit der Hals länger und die Schulterlinie schmaler wirkt. Vielleicht fragen Sie sich, ob das funktioniert, ob es nebenbei gegen Verspannungen hilft und wie riskant es ist. Dieser Artikel ordnet Studienlage, Risiken und Zulassung sachlich ein.

Die kurze Antwort

  • • Gemeint ist eine Behandlung des oberen Trapezmuskels mit Botulinumtoxin. Der Muskel wird für einige Monate schwächer und kann dadurch dünner werden.
  • • Für diesen Zweck ist in Deutschland kein Botulinumtoxin-Präparat zugelassen. Es ist eine Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label).
  • • Die Studien zur Schulterlinie sind klein (11 bis 30 Frauen), stammen überwiegend aus Asien und vergleichen nicht mit einem Placebo.
  • • Die Schwächung des Muskels ist gewollt und zugleich das Hauptrisiko: Heben, Tragen und Arbeiten über Kopf können vorübergehend schwerer fallen. Auch Nackenschmerzen sind möglich.
  • • Beim Spannungskopfschmerz sieht die deutsche Leitlinie keine Indikation. Bei Nackenschmerzen empfehlen Leitlinien vor allem Bewegung und Physiotherapie.
  • Was hinter dem Barbie-Trend steckt

    Der Begriff stammt aus sozialen Medien und wurde rund um den Barbie-Kinofilm im Sommer 2023 bekannt (PTA heute 2023).

    Der Trapezmuskel ist ein großer, flacher Muskel. Er reicht vom Hinterkopf über Nacken und Schultern bis zur unteren Brustwirbelsäule. Seine oberen Fasern heben das Schulterblatt, drehen es beim Armheben mit nach oben und strecken den Nacken. Die mittleren und unteren Fasern halten und führen das Schulterblatt (Ourieff et al., StatPearls 2023).

    Botulinumtoxin hemmt die Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel. Der Muskel spannt sich schwächer an und kann über Wochen an Volumen verlieren. In einer Studie war die elektrische Antwort des Muskels nach zwölf Wochen deutlich verringert (Chen et al. 2021). Die gewünschte Optik entsteht also über einen schwächeren Muskel.

    Wie breit Schultern und Nacken wirken, hängt nicht nur vom Muskel ab. Auch Knochenbau, Haltung und Fettgewebe spielen mit. Ein kräftiger Trapezmuskel ist keine Krankheit.

    Was Studien zur Schulterlinie zeigen

    Zur ästhetischen Anwendung gibt es nur wenige kleine Studien. Eine Studie mit Placebogruppe ließ sich in der Fachdatenbank PubMed nicht finden (Stand Oktober 2026).

    StudieTeilnehmendeVergleichDauerErgebnis
    Zhou et al. 2018, China30 Frauenkeiner4 bis 12 Monatemeist als verbessert bewertet, von den Frauen günstiger als von den Ärzten; keine schweren Nebenwirkungen
    Chen et al. 2021, China20 Frauenkeiner44 WochenMuskel dünner, am deutlichsten nach 4 bis 12 Wochen; eine Frau mit vorübergehender Muskelschwäche
    Benítez 2022, Fachbrief11 Frauen asiatischer Herkunftkeinerkurz, nicht genau angegebenHalsmaße verändert; zwei Frauen mit Beschwerden durch leichte Muskelschwäche; Schreibunterstützung vom Hersteller finanziert
    Supornpun et al. 2022, Thailand20 Frauenzwei Präparate, je eine Schulter12 MonateMuskel mit beiden dünner, Rückkehr unterschiedlich schnell; keine schweren Nebenwirkungen
    Wang et al. 2024, China30 junge Frauenzwei Injektionsmethoden6 MonateUnterschiede bei Messwerten, nicht im Gesamturteil der Frauen; keine schweren Nebenwirkungen
    Kim et al. 2026, Südkorea20 Frauenzwei Dosierungen12 WochenMuskelfläche in beiden Gruppen kleiner; mittlere Zufriedenheit; keine Komplikationen berichtet

    Was das für die Einordnung bedeutet:

  • • Kleine Gruppen: Seltene Nebenwirkungen lassen sich so nicht sicher erkennen.
  • • Kein Placebo: Offen bleibt, wie viel der Veränderung auf Messfehler, Haltung oder Erwartung zurückgeht.
  • • Begrenzt übertragbar: Fast alle Teilnehmerinnen waren Frauen aus Asien.
  • • Keine Langzeitdaten: Studien über mehrere Behandlungen und Jahre fehlen.
  • Nicht zugelassen: was Off-Label für Sie bedeutet

    Ästhetisch sind Botulinumtoxin-Präparate in Deutschland nur für bestimmte Falten der oberen Gesichtshälfte zugelassen, je nach Präparat Zornesfalte, Krähenfüße oder Stirnfalten (Überblick über die Präparate). Für eine schmalere Schulter- oder Halslinie ist laut den Fachinformationen kein Präparat zugelassen (Stand Oktober 2026).

  • • Aufklärung: Vor jeder Behandlung muss über Risiken, Erfolgsaussichten und Alternativen aufgeklärt werden (§ 630e BGB). Außerhalb der Zulassung gehört der Hinweis auf die fehlende Zulassung dazu (Deutsches Ärzteblatt 2018). Nutzen und Risiken sind für diesen Zweck nicht so geprüft wie in einem Zulassungsverfahren.
  • • Werbung: Für Anwendungen außerhalb der Zulassung darf nicht geworben werden (§ 3a HWG), für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht gegenüber Laien (§ 10 HWG). Dieser Artikel informiert deshalb nur und enthält kein Behandlungsangebot.
  • Risiken: Schwäche, Nackenschmerzen und mehr

    Die ästhetischen Studien berichten keine schweren Nebenwirkungen. Beschrieben sind Schmerzen an der Einstichstelle, eine vorübergehende Muskelschwäche und Beschwerden in der Brustmuskulatur, die auf eine leichte Schwäche des Trapezmuskels zurückgeführt wurden (Chen et al. 2021; Benítez 2022). Für seltene Komplikationen sind sie zu klein.

    Mehr Daten gibt es aus der Medizin. Bei der zugelassenen Vorbeugung der chronischen Migräne wird auch in den Trapezmuskel gespritzt. Nackenschmerzen (6,7 Prozent) und Muskelschwäche (5,5 Prozent) gehörten dort zu den häufigsten Nebenwirkungen der Injektionen (Blumenfeld et al. 2017). Bei der zervikalen Dystonie, einer Bewegungsstörung mit unwillkürlicher Kopffehlhaltung, waren Nackenschwäche (14 Prozent), Schluckbeschwerden (11 Prozent) und allgemeine Schwäche oder Müdigkeit (8 Prozent) am häufigsten (Rodrigues et al. 2020, Cochrane). Dort werden teils andere Muskeln und meist größere Mengen behandelt. Übertragbar sind die Zahlen nicht direkt, sie zeigen aber mögliche Beschwerden bei Injektionen im Nacken.

  • • Schwäche beim Heben: Hat der obere Trapezmuskel weniger Kraft, können Heben, Tragen, Arbeiten über Kopf und manche Sportarten schwerer fallen. Nach ungünstig gesetzten Injektionen beschreibt die Fachliteratur auch eine hängende Schulter und einen eingeschränkt beweglichen Nacken (Supornpun et al. 2022). Fachleute aus Plastischer Chirurgie, Wirbelsäulenmedizin und Physiotherapie weisen auf mögliche Folgen für die Funktion hin (Phoenix et al. 2024).
  • • Nackenschmerzen: Sie sind möglich, obwohl viele die Behandlung gerade gegen Verspannungen suchen.
  • • Ausbreitung der Wirkung: Sehr selten wirkt Botulinumtoxin über die Einstichstelle hinaus. Schluck-, Sprech- oder Atembeschwerden müssen sofort ärztlich abgeklärt werden (Nebenwirkungen und Risiken im Überblick).
  • • Antikörper: Der Körper kann Antikörper bilden, die spätere Behandlungen abschwächen. Bei Dystonie, wo größere Mengen nötig sind, fanden sich neutralisierende Antikörper bei rund 20 Prozent, bei anderen Anwendungen bei etwa 1 Prozent (Fabbri et al. 2016). Am Trapezmuskel wurden in den Studien deutlich größere Mengen eingesetzt als bei Gesichtsfalten. Ob das eine später medizinisch nötige Behandlung erschwert, ist nicht untersucht.
  • Gegenanzeigen und Vorsicht: Laut den Fachinformationen darf Botulinumtoxin nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit, Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom und Infektionen an der Einstichstelle. In Schwangerschaft und Stillzeit wird es nicht empfohlen (Schwangerschaft und Stillzeit). Vorsicht gilt bei Gerinnungsstörungen, blutverdünnenden Medikamenten und bestimmten Antibiotika (Aminoglykoside).

    Medizinische Anwendungen im Nacken: was belegt ist

    Auch aus medizinischen Gründen wird Botulinumtoxin im Nacken eingesetzt, mit sehr unterschiedlicher Studienlage.

  • • Zervikale Dystonie: Mehrere Präparate sind dafür zugelassen. Laut einer Cochrane-Übersicht bessert eine Behandlung Beschwerden und Schmerzen klinisch relevant, bei mäßiger Sicherheit der Daten (Rodrigues et al. 2020).
  • • Chronische Migräne: Ein Präparat ist unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen: Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, und andere vorbeugende Mittel haben nicht ausreichend gewirkt oder wurden nicht vertragen. Der Nutzen ist moderat: In einer Meta-Analyse traten pro Monat etwa zwei Kopfschmerztage weniger auf als mit Placebo (Jackson et al. 2012).
  • • Spannungskopfschmerz: Hierfür ist kein Präparat zugelassen. Laut der deutschen Leitlinie fielen placebokontrollierte Studien beim chronischen Spannungskopfschmerz ausschließlich negativ aus, eine Indikation besteht nicht (S1-Leitlinie Kopfschmerz vom Spannungstyp, DGN/DMKG 2024). Auch die Meta-Analyse von Jackson fand keinen signifikanten Effekt. Neuere Auswertungen berichten einen Vorteil, bewerten die Qualität der Daten aber als begrenzt bis sehr niedrig (Dhanasekara et al. 2023; Tao et al. 2026). Ein gesicherter Nutzen ist das nicht.
  • • Verspannungen und Triggerpunkte: Bei myofaszialen Schmerzen in Nacken und Schulter fand eine Meta-Analyse von sieben randomisierten Studien keinen klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber Kochsalz-Injektionen (Saltychev et al. 2025).
  • Dass eine Behandlung für die Schulterlinie „nebenbei“ den Nacken entspannt, ist damit nicht belegt.

    Alternativen

    Für eine schmalere Schulterlinie gibt es keine gut untersuchte Alternative. Je nach Anliegen gibt es andere Wege:

  • • Keine Behandlung: Ein kräftiger Trapezmuskel muss nicht behandelt werden.
  • • Haltung und Training: Haltung und ausgewogenes Training von Schultern und Rücken können beeinflussen, wie Nacken und Schultern wirken. Studien zur Optik fehlen.
  • • Bei Nackenschmerzen: Die hausärztliche S3-Leitlinie empfiehlt körperliche Aktivität und bei chronischen Beschwerden Bewegungstherapie, jeweils mit starker Empfehlung (DEGAM-Leitlinie Nackenschmerzen 2025).
  • • Bei Spannungskopfschmerz: Die Leitlinie empfiehlt regelmäßiges Ausdauer- oder Krafttraining, Physiotherapie und Entspannungsverfahren. Zur medikamentösen Vorbeugung des chronischen Spannungskopfschmerzes ist Amitriptylin das Mittel der ersten Wahl (S1-Leitlinie). Häufige Kopfschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden.
  • Häufige Fragen

    Was ist mit dem Barbie-Trend gemeint?

    Gemeint ist Botulinumtoxin im oberen Trapezmuskel, damit Hals und Schultern schlanker wirken. Fachlich spricht man von Schulterkonturierung. In Deutschland ist das eine Anwendung außerhalb der Zulassung.

    Wie lange hält die Wirkung?

    In den Studien war der Muskel nach einigen Wochen am dünnsten, danach ließ die Wirkung über Monate nach. In einer kleinen Studie war er mit einem der beiden geprüften Präparate nach einem Jahr noch dünner als zu Beginn. Verlässliche Daten zu wiederholten Behandlungen fehlen.

    Hilft die Behandlung gegen Verspannungen oder Kopfschmerzen?

    Bei Verspannungen in Nacken und Schulter war Botulinumtoxin in Studien nicht klinisch bedeutsam besser als Kochsalzlösung, beim Spannungskopfschmerz sieht die Leitlinie keine Indikation. Zugelassen ist die Vorbeugung der chronischen Migräne.

    Zahlt die Krankenkasse, und wovon hängen die Kosten ab?

    Eine rein ästhetische Behandlung ist keine Krankenbehandlung im Sinne der gesetzlichen Kasse (§ 27 SGB V). Beträge nennt dieser Artikel nicht. Außerhalb der Kasse wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet, das Arzneimittel kommt als Auslage hinzu (§ 10 GOÄ). Ist die Kostenübernahme nicht gesichert, muss die Praxis vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (§ 630c BGB).

    Warum zeigt dieser Artikel keine Vorher-Nachher-Bilder?

    Für operative plastisch-chirurgische Eingriffe verbietet das Heilmittelwerbegesetz Werbung mit Vorher-Nachher-Vergleichen (§ 11 HWG). Laut Bundesgerichtshof gehören dazu Unterspritzungen, die die Körperform verändern; es ging um Hyaluron an Nase und Kinn (BGH, Urteil vom 31.07.2025, I ZR 170/24). Über Botulinumtoxin am Trapezmuskel hat das Gericht nicht entschieden. Unabhängig davon gelten § 3a und § 10 HWG. Bilder im Netz sind zudem schwer zu beurteilen: Kopfhaltung, Schulterstellung, Licht und Kamerawinkel verändern die Schulterlinie stark.

    Für wen ist die Behandlung nicht geeignet?

    Nicht infrage kommt sie bei den Gegenanzeigen aus den Fachinformationen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Wer beruflich oder im Sport auf Kraft in Schultern und Armen angewiesen ist, sollte die mögliche Schwäche besonders ernst nehmen. Bestehende Nacken- oder Schulterbeschwerden sollten zuerst ärztlich abgeklärt werden.

    Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Botulinumtoxin werden im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen. Verbindliche Angaben zu den zugelassenen Präparaten enthalten die amtlichen Fachinformationen, abrufbar über das Arzneimittel-Informationssystem auf PharmNet.Bund.