AndereKosmetisch18-35 Jahre

Chemical Brow Lift: Augenbrauen anheben mit Botulinumtoxin

Saskia Heer|
Saskia Heer

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin

Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.

Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern

Tief stehende Augenbrauen können den Blick müde oder streng wirken lassen. Unter dem Namen „Chemical Brow Lift“ wird beschrieben, die Brauen mit Botulinumtoxin ein wenig anzuheben, ohne Operation. Dieser Artikel erklärt sachlich, wie das funktionieren soll, was Studien gemessen haben, welche Risiken bestehen und welche Alternativen es gibt.

Die kurze Antwort

  • • Botulinumtoxin hebt die Braue nicht selbst an. Es schwächt Muskeln, die die Braue nach unten ziehen. Der Stirnmuskel, der sie hebt, bekommt dadurch mehr Gewicht.
  • • In kleinen Studien stieg die Braue meist um weniger als 1 bis etwa 3 Millimeter, in einer Fallserie am äußeren Brauenende um knapp 5 Millimeter.
  • • Das Anheben der Augenbrauen ist in Deutschland kein zugelassenes Anwendungsgebiet. Es ist eine Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use).
  • • Mögliche Nebenwirkungen sind ein hängendes Oberlid, eine hängende oder seitlich zu stark angehobene Braue und Asymmetrien. Sie sind in der Regel vorübergehend.
  • • Bei überschüssiger Lidhaut (Schlupflid) oder einer stark abgesunkenen Braue stößt die Methode an Grenzen. Dann kommen operative Verfahren in Betracht.
  • Was mit „Chemical Brow Lift“ gemeint ist

    Der Begriff stammt aus einer Studie von 1998. Darin wurde Botulinumtoxin in die Muskeln zwischen den Augenbrauen gespritzt. Bei einem Teil der Behandelten stand die innere Braue danach höher (Studie: Frankel und Kamer, Chemical browlift). „Chemisch“ steht für ein Arzneimittel statt eines Skalpells. Verändert wird nur das Gleichgewicht der Muskeln, nicht die Haut.

    Die Mechanik: ein Heber, mehrere Senker

    Angehoben wird die Augenbraue im Wesentlichen von einem Muskel, dem Stirnmuskel (M. frontalis). Ihm wirken Muskeln entgegen, die die Braue nach unten ziehen:

  • • die Muskeln zwischen den Brauen, die beim Stirnrunzeln die Zornesfalte bilden (Frankel und Kamer),
  • • der äußere obere Teil des Augenringmuskels (M. orbicularis oculi), der die Braue seitlich nach unten zieht (Studie: Ahn et al., Temporal brow lift).
  • Werden diese Brauensenker geschwächt, überwiegt der Zug des Stirnmuskels. Die Braue kann dann etwas höher stehen (Übersicht: Kaufman-Janette und Trindade de Almeida, Lifting with neuromodulators). Umgekehrt gilt: Wird der Stirnmuskel selbst geschwächt, kann die Braue tiefer sinken. Die Fachinformation eines für Stirnfalten zugelassenen Präparats führt eine hängende Braue deshalb als häufige Nebenwirkung auf (Fachinformation A, Abschnitt 4.8).

    Präzise steuern lässt sich das kaum. In einer Studie mit 23 Frauen ließ sich die Brauenhöhe nicht über die Tiefe der Injektion beeinflussen, weil sich der Wirkstoff zwischen den Muskelschichten verteilt (Studie: Sneath et al., Eyebrow asymmetry).

    Was Studien zur Effektgröße zeigen

    Die Daten stammen vor allem aus kleinen Fallserien und rückblickenden Auswertungen. Eine systematische Übersicht über Verfahren zur Brauenanhebung fand nur drei Studien zu Botulinumtoxin und bemängelt fehlende randomisierte Studien mit einheitlicher Messung (Übersicht: Cho et al., Complications in brow lifts).

    StudiePersonenBehandelter BereichGemessene AnhebungArt der Studie
    Frankel und Kamer 199830zwischen den Braueninnere Braue bei 32 bis 48 Prozent messbar höherFallserie ohne Kontrollgruppe
    Huang et al. 200011 Frauenzwischen den Brauen und seitlich am AugenringBrauenmitte im Mittel 1,9 mm rechts, 3,1 mm linkssehr kleine Fallserie
    Ahn et al. 200022seitlicher Augenringmuskel1,0 mm über der Pupille, 4,8 mm über dem äußeren LidwinkelFallserie, Messung durch den Studienleiter
    Steinsapir et al. 201549 ausgewertetBrauensenker, Stirn unbehandeltim Mittel von 24,6 auf 25,0 mmrückblickend
    Norman 2020100Zornesfalte und Krähenfüße (zugelassen)in Ruhe im Mittel etwa 1,5 mmrückblickend, eine Praxis
    Solish et al. 2023235nur Zornesfalte (zugelassen)seitlich 0,6 bis 0,9 mm, innen kaumnachträgliche Auswertung von Herstellerstudien

    Was sich daraus ableiten lässt:

  • • Realistisch sind wenige Millimeter, mit großen Unterschieden.
  • • Gemessen wurde meist nach zwei bis vier Wochen. Wie lange der Effekt anhält, ist kaum untersucht. In einer Auswertung war die Anhebung in der Brauenmitte nach zwölf Wochen am größten. Bei der niedrigsten Dosis sank die Braue anfangs sogar leicht ab (Studie: Carruthers und Carruthers, Eyebrow height after botulinum toxin).
  • • Eine leichte Anhebung kann auch als Nebeneffekt einer zugelassenen Behandlung von Zornesfalte oder Krähenfüßen auftreten (Norman, Solish).
  • Zulassung: eine Anwendung außerhalb der Zulassung

    Für ästhetische Zwecke sind Botulinumtoxin-Präparate in Deutschland nur für bestimmte Gesichtsfalten zugelassen: je nach Präparat für Zornesfalte, Krähenfüße und Stirnfalten (Überblick über die Präparate). Das Anheben der Augenbrauen gehört nicht dazu. Wird es zum Ziel der Behandlung, liegt eine Anwendung außerhalb der genehmigten Anwendungsgebiete vor, ein sogenannter Off-Label-Use (G-BA: Off-Label-Use).

    Ärztinnen und Ärzten ist ein Off-Label-Einsatz weder arzneimittel- noch berufsrechtlich verboten (Bayerisches Ärzteblatt: Off-Label-Use). Werbung ist dagegen nach § 3a Heilmittelwerbegesetz unzulässig, wenn sie sich auf Anwendungsgebiete bezieht, die nicht von der Zulassung erfasst sind (§ 3a HWG). Für verschreibungspflichtige Arzneimittel darf außerhalb der Fachkreise ohnehin nicht geworben werden (§ 10 HWG). Dieser Artikel informiert deshalb nur. Er empfiehlt keine Behandlung und beschreibt keine Technik.

    Im Aufklärungsgespräch sollte ausdrücklich zur Sprache kommen, dass die Anwendung außerhalb der Zulassung liegt, wie begrenzt die Datenlage ist und welche Alternativen es gibt.

    Risiken und Nebenwirkungen

    Viele Nebenwirkungen sind die gewünschte Wirkung am falschen Ort, denn rund um Auge und Braue liegen mehrere Muskeln dicht beieinander. Einen ausführlichen Überblick gibt der Artikel Nebenwirkungen und Sicherheit von Botulinumtoxin.

  • • Hängendes Oberlid: Der Wirkstoff erreicht den Muskel, der das Lid hebt. Laut Fachinformation A ist das häufig und tritt im Median nach 9 Tagen auf. Es bildet sich zurück, wenn die Wirkung nachlässt. Bestimmte Augentropfen können es teilweise abschwächen (Übersicht: Nestor et al., Botulinum toxin-induced blepharoptosis). In einer Fallserie mit sieben überwiesenen Personen hielt es 6 Wochen bis 13 Monate an (Studie: Steinsapir et al., Persistence of upper blepharoptosis).
  • • Hängende Braue: vor allem, wenn der Stirnmuskel mitbehandelt wird. Laut Fachinformation A häufig, im Median nach 5 Tagen.
  • • Seitlich zu stark angehobene Braue: Die Fachinformation nennt das „Mephisto-Effekt“. Bei gleichzeitiger Behandlung von Stirn und Zornesfalte ist er häufig.
  • • Weitere Beschwerden: Asymmetrie, Kopfschmerzen, Blutergüsse und Schwellungen.
  • Eine Übersicht über 35 Studien mit 8.787 Personen fand nach Behandlungen im oberen Gesicht ein hängendes Oberlid bei 2,5 Prozent und eine hängende Braue bei 3,1 Prozent. Alle Fälle bildeten sich von selbst zurück (Übersicht: Cavallini et al., Safety of botulinum toxin A). Belastbare Häufigkeiten speziell für das Anheben der Braue fehlen.

    Sehr selten breitet sich die Wirkung über den Injektionsort hinaus aus. Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen sind ein Notfall (Fachinformation A).

    Wer besonders vorsichtig sein muss

    Die Fachinformation nennt als Gegenanzeigen eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil, Myasthenia gravis, das Lambert-Eaton-Syndrom und Infektionen an der Einstichstelle. Vorsicht gilt bei Aminoglykosid-Antibiotika und anderen Mitteln, die die Übertragung zwischen Nerv und Muskel beeinflussen. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, mehr dazu unter Botulinumtoxin in Schwangerschaft und Stillzeit.

    Wann die Methode an Grenzen stößt

    Nicht jede schwere Augenpartie geht auf eine tief stehende Braue zurück.

  • • Schlupflid: Überschüssige Haut am Oberlid entfernt Botulinumtoxin nicht. Fachleute empfehlen, bei Schlupflidern und hängenden Lidern immer auch die Lage der Braue zu prüfen (EyeWiki: Brow Ptosis and Repair).
  • • Unbewusstes Hochziehen der Brauen: Manche Menschen gleichen schwere Lider aus, indem sie den Stirnmuskel ständig anspannen. Das kann Spannungskopfschmerzen auslösen (EyeWiki). Wird dieser Muskel geschwächt, kann die Braue sinken und das Lid schwerer wirken.
  • • Stark abgesunkene Braue, etwa nach einer Lähmung des Gesichtsnervs: Hierfür beschreibt die augenärztliche Fachliteratur operative Verfahren (EyeWiki).
  • Alternativen im Überblick

    VerfahrenPrinzipDauerWichtige Risiken
    Hyaluronsäure-Fillerstützt die Braue mit VolumenvorübergehendSchwellung, Knötchen; selten Gefäßverschluss bis zum Sehverlust
    Fädenauflösbare Fäden heben das GewebevorübergehendBlutergüsse, Dellen, Asymmetrie
    Oberlidstraffung, ggf. mit Brauenfixierungentfernt Lidhaut; eine Naht fixiert die Braue von innenlang anhaltendNarbe; Straffung allein kann die Braue senken
    Operatives Brauen- oder StirnliftingGewebe wird angehoben und fixiert, direkt an der Braue, an der Schläfe oder endoskopischlang anhaltendNarbe, Taubheit, Haarverlust am Schnitt, Verletzung des Gesichtsnervs

    Hyaluronsäure-Filler: Eine rückblickende Auswertung aus einer Klinik fand nach Brauenanhebung mit Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure-Gel eine ähnliche Zufriedenheit (Studie: Shome et al., Eyebrow elevation). Stirn und Zornesfaltenbereich zählen aber zu den Regionen, in denen Filler selten Gefäße verschließen und das Sehen schädigen können (Übersicht: Beleznay et al., Blindness from fillers). Den grundsätzlichen Unterschied erklärt der Artikel Botulinumtoxin oder Hyaluron.

    Fäden: Hier gibt es vor allem Fallserien mit niedriger Evidenzstufe, etwa eine mit 42 Personen über zwei Jahre (Studie: Saray, Brow lifting with threads).

    Operationen: Sie können die Braue dauerhafter versetzen, haben aber eigene Risiken. Die Übersicht von Cho über 76 Studien fand die meisten Korrektureingriffe beim Schnitt an der Haargrenze (7,4 Prozent), die meisten Taubheitsgefühle beim direkten Schnitt an der Braue (5,5 Prozent) und den häufigsten Haarverlust beim endoskopischen Verfahren (2,8 Prozent). Wichtig bei Schlupflidern: In einer Studie mit 48 Frauen sank die Brauenhöhe über der Pupille nach einer Oberlidstraffung allein um rund 6 Prozent, mit zusätzlicher Brauenfixierung stieg sie um rund 3 Prozent (Studie: Menderes und Çağlı, Brow position after blepharoplasty).

    Häufige Fragen

    Wie viele Millimeter hebt ein Chemical Brow Lift die Braue?

    Meist um weniger als 1 bis etwa 3 Millimeter, in einer Fallserie am äußeren Brauenende um knapp 5. Im Einzelfall lässt sich das nicht vorhersagen.

    Wie lange hält ein Chemical Brow Lift?

    So lange wie die Wirkung des Botulinumtoxins. Für Krähenfüße nennt Fachinformation A eine mittlere Wirkdauer von vier Monaten. Für die Braue selbst gibt es kaum Daten. Zwischen zwei Behandlungen sollen laut Fachinformation mindestens drei Monate liegen.

    Ist ein Chemical Brow Lift zugelassen?

    Nein. Zugelassen sind je nach Präparat nur Zornesfalte, Krähenfüße und Stirnfalten. Das gezielte Anheben der Braue liegt außerhalb der Zulassung und sollte im Aufklärungsgespräch angesprochen werden.

    Hilft ein Chemical Brow Lift bei Schlupflidern?

    Nur begrenzt, denn die überschüssige Haut bleibt. In einer Auswertung war nach der Behandlung von Zornesfalte und Krähenfüßen in Ruhe im Mittel knapp 1 Millimeter mehr Oberlid sichtbar (Norman).

    Was passiert, wenn danach das Lid hängt?

    Ein hängendes Lid bildet sich in der Regel zurück, wenn die Wirkung nachlässt, meist innerhalb von Wochen, selten erst nach Monaten. Es sollte ärztlich angesehen werden. Bei Doppelbildern, Schluck-, Sprech- oder Atemproblemen ist sofort ärztliche Hilfe nötig.

    Amtliche Informationen

    Nutzen und Risiken werden im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen. Verbindliche Angaben zu Anwendungsgebieten, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen enthält die amtliche Fachinformation des jeweiligen Präparats. Sie ist über das Arzneimittel-Informationssystem auf PharmNet.Bund abrufbar. Stand der Angaben: Oktober 2026.