Nasenspitzen-Lift ohne OP: Botulinumtoxin am Depressor septi nasi

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin
Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.
Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern
Manche Menschen bemerken, dass ihre Nasenspitze beim Lächeln nach unten zieht, besonders auf Fotos im Profil. Unter dem Namen „Nasenspitzen-Lift ohne OP“ wird beschrieben, diesen Zug mit Botulinumtoxin abzuschwächen. Dieser Artikel erklärt sachlich, was dahintersteckt, was Studien zeigen, welche Risiken bestehen und welche Alternative es gibt.
Die kurze Antwort
Warum die Nasenspitze beim Lächeln absinkt
Der Depressor septi nasi ist ein kleiner, paariger Muskel unter der Nase. Er entspringt am Oberkiefer, am Ringmuskel des Mundes (M. orbicularis oris) oder an beiden. Er setzt an den inneren Schenkeln der Nasenflügelknorpel an, also im Nasensteg. So fasst es eine systematische Übersicht zusammen (Übersicht: Sinno et al., Anatomy and surgical treatment of the depressor septi nasi muscle). Zieht sich der Muskel zusammen, zieht er die Spitze nach unten. Ist er sehr aktiv, kann die Spitze beim Lächeln absinken, und die Oberlippe wird zugleich kürzer (Studie: Rohrich et al., Importance of the depressor septi nasi muscle).
Der Muskel ist nicht bei allen Menschen gleich ausgebildet. In einer Untersuchung an 55 Körperspendern ging er bei 62 Prozent vollständig in den Mundringmuskel über. Bei 22 Prozent war er vor allem an der Knochenhaut des Oberkiefers befestigt. Bei 16 Prozent war er kaum oder gar nicht vorhanden (Rohrich et al.). Wo der Muskel kaum angelegt ist, gibt es für Botulinumtoxin wenig zu schwächen.
In einer Messstudie mit 25 Frauen, die über eine beim Lächeln absinkende Spitze klagten, bewegte sich die Spitze selbst um weniger als einen Millimeter. Deutlich stärker hoben sich der Übergang zur Oberlippe und die Nasenflügel. Die Winkel im Profil wurden dabei um rund 11 Grad kleiner (Studie: Kosins et al., The plunging tip: illusion and reality). Die Autoren sprechen deshalb von einer optischen Täuschung, an der vor allem Oberlippe und Nasenflügel beteiligt sind.
Was Botulinumtoxin dort bewirken soll
Botulinumtoxin hemmt an der Verbindung von Nerv und Muskel die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin. Der Muskel wird dadurch für einige Monate schwächer. So beschreibt es die Fachinformation eines für Gesichtsfalten zugelassenen Präparats, hier Fachinformation A genannt (Fachinformation A, Abschnitt 5.1). Ziel ist, dass der Muskel die Spitze beim Lächeln weniger nach unten zieht. Injektionsstellen, Mengen oder Techniken beschreibt dieser Artikel bewusst nicht.
Studienlage: Wie groß ist der Effekt?
| Arbeit | Umfang | Art | Ergebnis | Grenzen |
|---|---|---|---|---|
| Dayan und Kempiners 2005 | 1 Person | Fallbericht | Winkel zwischen Nasensteg und Oberlippe von 110 auf 115 Grad | Einzelfall, keine Kontrolle |
| Cigna et al. 2013 | 40 Personen, je 20 mit Wirkstoff und mit Kochsalzlösung | doppelblind, randomisiert | Abstand zwischen Nasensteg und Oberlippe größer; Zufriedenheit im Mittel 6,3 von 10 | nur 30 Tage beobachtet; Millimeterwerte in der Zusammenfassung nicht angegeben |
| Modarresi et al. 2024 | 23 Arbeiten zur Nase insgesamt | systematische Übersicht | eine hängende Spitze lässt sich verbessern | meist ohne Kontrollgruppe; kein Vergleich mit Operationen möglich |
| Kamrani et al. | Literatur zur Nase | Übersicht | das Absinken der Spitze kann sich verringern | vor allem Angaben der Behandelten, kaum objektive Messungen |
Was sich daraus ableiten lässt:
Zulassung: eine Anwendung außerhalb der Zulassung
Für ästhetische Zwecke sind Botulinumtoxin-Präparate in Deutschland nur für bestimmte Gesichtsfalten zugelassen: je nach Präparat für Zornesfalte, Krähenfüße und Stirnfalten (Überblick über die Präparate). Die Nasenspitze gehört nicht dazu. Wird ihr Anheben zum Ziel, liegt eine Anwendung außerhalb der genehmigten Anwendungsgebiete vor, ein sogenannter Off-Label-Use (G-BA: Off-Label-Use).
Ärztinnen und Ärzten ist ein Off-Label-Einsatz weder arzneimittel- noch berufsrechtlich verboten (Bayerisches Ärzteblatt: Off-Label-Use). Werbung ist dagegen nach § 3a Heilmittelwerbegesetz unzulässig, wenn sie sich auf Anwendungsgebiete bezieht, die nicht von der Zulassung erfasst sind (§ 3a HWG). Für verschreibungspflichtige Arzneimittel darf außerhalb der Fachkreise ohnehin nicht geworben werden (§ 10 HWG). Dieser Artikel informiert deshalb nur. Er empfiehlt keine Behandlung.
Im Aufklärungsgespräch sollte ausdrücklich zur Sprache kommen, dass die Anwendung außerhalb der Zulassung liegt, wie dünn die Datenlage ist und welche Alternativen es gibt.
Risiken und Nebenwirkungen
Der Muskel liegt dicht an den Muskeln der Oberlippe und geht teils in sie über. Einen allgemeinen Überblick gibt der Artikel Nebenwirkungen und Sicherheit von Botulinumtoxin.
Sehr selten breitet sich die Wirkung über den Injektionsort hinaus aus. Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen sind ein Notfall (Fachinformation A, Abschnitt 4.4).
Wer besonders vorsichtig sein muss
Die Fachinformation nennt als Gegenanzeigen eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil, Myasthenia gravis, das Lambert-Eaton-Syndrom und Infektionen an der Einstichstelle. Vorsicht gilt bei Aminoglykosid-Antibiotika und anderen Mitteln, die die Übertragung zwischen Nerv und Muskel beeinflussen. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, mehr dazu unter Botulinumtoxin in Schwangerschaft und Stillzeit.
Wann die Methode an Grenzen stößt
Fillerinjektionen an der Nase gehören zu den Hochrisikozonen: In einer Auswertung der Weltliteratur betrafen 56 Prozent der neu veröffentlichten Fälle von Sehverlust nach Fillern die Nasenregion (Übersicht: Beleznay et al., Blindness from fillers).
Die operative Alternative
Bei einer Nasenkorrektur (Rhinoplastik) kann der Muskel durchtrennt, teilweise entfernt oder versetzt werden. Zusätzlich lässt sich die Spitze mit Knorpel stützen und fixieren.
Eine Nasenoperation hat eigene Risiken, zum Beispiel Blutergüsse, Infektionen, Taubheitsgefühle, eine trockene Nase, ein Loch in der Nasenscheidewand und die Möglichkeit einer Nachoperation. Das endgültige Ergebnis lässt sich erst nach etwa sechs bis zwölf Monaten beurteilen (DGPRÄC: Nasenkorrektur).
Häufige Fragen
Wie lange hält ein Nasenspitzen-Lift ohne OP?
So lange wie die Wirkung des Botulinumtoxins, also nur vorübergehend. Die placebokontrollierte Studie hat nur 30 Tage beobachtet. Für zugelassene Faltenbehandlungen nennt Fachinformation A bis zu vier Monate. Zwischen zwei Behandlungen sollen laut Fachinformation mindestens drei Monate liegen.
Um wie viel hebt sich die Nasenspitze?
Das lässt sich nicht seriös in Millimetern angeben. Gemessen wurden ein etwas größerer Abstand zwischen Nasensteg und Oberlippe und in einem Fallbericht ein um 5 Grad größerer Winkel.
Ist ein Nasenspitzen-Lift mit Botulinumtoxin zugelassen?
Nein. Zugelassen sind je nach Präparat nur Zornesfalte, Krähenfüße und Stirnfalten. Das Anheben der Nasenspitze ist eine Anwendung außerhalb der Zulassung.
Kann sich das Lächeln verändern?
Ja. Der Muskel ist mit dem Mundringmuskel verbunden. Die Oberlippe kann beim Lächeln länger, flacher oder ungleich wirken. Das lässt nach, wenn die Wirkung abklingt.
Hilft das bei einer langen Nase oder einer Spitze, die schon in Ruhe hängt?
Nein. Botulinumtoxin wirkt nur auf den Muskelzug beim Lächeln. Eine lange oder in Ruhe hängende Spitze beruht meist auf Knorpel, Haut und Haltebändern. Hier kommen operative Verfahren in Betracht.
Beeinflusst die Behandlung die Nasenatmung?
Dazu gibt es keine belastbaren Daten. Eine kleine Operationsstudie spricht dafür, dass der Muskel an der Weite des Naseneingangs beteiligt ist. Wer schon Probleme mit der Nasenatmung hat, sollte das vorher ansprechen.
Amtliche Informationen
Nutzen und Risiken werden im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen. Verbindliche Angaben zu Anwendungsgebieten, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen enthält die amtliche Fachinformation des jeweiligen Präparats. Sie ist über das Arzneimittel-Informationssystem auf PharmNet.Bund abrufbar. Stand der Angaben: Oktober 2026.