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Zornesfalte behandeln: Botulinumtoxin, Hyaluron und Pflege

Saskia Heer|
Saskia Heer

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin

Saskia Heer ist approbierte Ärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt ästhetische Medizin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin. Sie bildet sich regelmäßig in Injektionstechniken, Anatomie und Komplikationsmanagement fort.

Mitglied der Ärztekammer Brandenburg und Bayern

Senkrechte Falten zwischen den Augenbrauen können ein Gesicht streng, müde oder verärgert wirken lassen, auch wenn man es gar nicht ist. Wer sich informiert, stößt schnell auf Spritzen, Filler und Cremes mit großen Versprechen. Dieser Artikel ordnet sachlich ein, wie die Falte entsteht, was die einzelnen Möglichkeiten leisten können und wo ihre Grenzen und Risiken liegen.

Die kurze Antwort

  • • Die Zornesfalte (Glabellafalte) entsteht vor allem durch Muskeln, die die Brauen zusammenziehen. Hautalterung, Sonne und Rauchen verstärken sie.
  • • Botulinumtoxin ist für dieses Anwendungsgebiet zugelassen. Es entspannt die Muskeln für bis zu etwa vier Monate.
  • • Hyaluron-Filler füllen die Falte auf. Die Region zwischen den Brauen gilt dabei als Risikozone für seltene, aber ernste Gefäßkomplikationen.
  • • Pflege und Sonnenschutz können die Hautalterung bremsen. Eine ausgeprägte Mimikfalte glätten sie nicht.
  • • Keine Methode wirkt dauerhaft, und jede hat Nebenwirkungen. Was im Einzelfall infrage kommt, klärt das ärztliche Aufklärungsgespräch.
  • Wie die Zornesfalte entsteht

    Kleine Muskeln, die die Brauen zusammenziehen

    Zwischen den Augenbrauen liegt eine Gruppe kleiner Muskeln, der sogenannte Glabellakomplex. Dazu gehören vor allem der Augenbrauenrunzler (Musculus corrugator supercilii), der Procerus an der Nasenwurzel und der Depressor supercilii. Sie ziehen die Brauen nach innen und unten. Ihr Gegenspieler ist der Stirnmuskel, der die Brauen hebt (Review: Anatomie von Stirn und Glabellakomplex). Wer oft die Stirn runzelt oder die Augen zusammenkneift, faltet die Haut dort immer wieder.

    Erst in Bewegung, später auch in Ruhe

    Anfangs zeigt sich die Falte nur beim Stirnrunzeln (dynamische Falte). Mit der Zeit verliert die Haut an Spannkraft, und die Falte bleibt auch im entspannten Gesicht sichtbar. In den Zulassungsstudien eines Präparats hatten 39 Prozent der Teilnehmenden ihre Zornesfalte auch in Ruhe mittelstark bis stark ausgeprägt (Fachinformation A).

    In einer Studie mit 186 eineiigen Zwillingspaaren wirkten die Geschwister mit mehr Sonne und längerer Raucherzeit älter, Falten waren bei Rauchenden deutlicher (Studie: Gesichtsalterung bei eineiigen Zwillingen).

    Botulinumtoxin: für diese Falte zugelassen

    Was die Zulassung umfasst

    Die Angaben in diesem Abschnitt stammen, wo nicht anders genannt, aus den Fachinformationen dreier für die Zornesfalte zugelassener Präparate verschiedener Hersteller, hier A, B und C genannt (Fachinformation A; Fachinformation B; Fachinformation C). Zugelassen ist die vorübergehende Verbesserung mittelstarker bis starker Zornesfalten bei maximalem Stirnrunzeln, wenn sie für die erwachsene Person eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Die Präparate B und C sind für Erwachsene unter 65 Jahren zugelassen. Präparat A nennt keine obere Altersgrenze; bei über 65-Jährigen gibt es aber wenige Daten und eine geringere Wirkung.

    Seit Juli 2026 ist EU-weit zudem ein Präparat mit Botulinumtoxin Typ E für die Zornesfalte zugelassen. Seine Wirkung setzt laut Fachinformation nach Stunden ein, erreicht nach etwa sieben Tagen ihr Maximum und ist deutlich kürzer als bei Typ A (Fachinformation D).

    Andere Regionen sind von dieser Zulassung nicht umfasst. Welche weiteren Falten je nach Präparat zugelassen sind, zeigt der Überblick über die zugelassenen Präparate.

    Wie es wirkt und wie lange

    Botulinumtoxin Typ A blockiert an den Nervenendigungen die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin. Der Muskel spannt sich schwächer an, die Haut darüber legt sich weniger in Falten. Die Wirkung setzt laut Fachinformation C meist nach zwei bis drei Tagen ein, laut Fachinformation A innerhalb einer Woche. Sie hält bis zu etwa vier Monate an, bei manchen Behandelten etwas länger. Dann bilden sich neue Nervenendigungen, und der Muskel arbeitet wieder wie vorher. Zwischen zwei Behandlungen sollen mindestens drei Monate liegen.

    Unter den Gesichtsfalten ist die Zornesfalte am gründlichsten untersucht: Von 65 randomisierten Studien eines Cochrane-Reviews betrafen 43 die Glabella. Botulinumtoxin Typ A verringert danach Falten innerhalb von vier Wochen, erhöht aber wahrscheinlich das Risiko für ein hängendes Oberlid. Keine Studie hatte in allen Bereichen ein geringes Verzerrungsrisiko (Cochrane-Review: Botulinum toxin type A for facial wrinkles).

    30 Tage nach der Behandlung hatten in den Zulassungsstudien 80 Prozent (Präparat A) beziehungsweise 90 Prozent (Präparat B) laut Prüfarzt keine oder nur noch leichte Zornesfalten beim Stirnrunzeln, unter Placebo jeweils 3 Prozent. Falten, die schon in Ruhe sichtbar sind, sprechen weniger zuverlässig an: Bei Präparat A besserten sie sich bei 74 Prozent (Placebo: 20 Prozent).

    Die Dosis gilt nur für das jeweilige Präparat

    Die Fachinformationen beschreiben eine feste Gesamtdosis, verteilt auf fünf Einstichstellen in den Augenbrauenrunzler und den Procerus. Die Einheiten beruhen auf unterschiedlichen Testmethoden und sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar.

    In einer Zulassungsstudie zu Präparat C war die Wirkung bei Männern geringer als bei Frauen, ebenso bei Menschen ab 50 Jahren; die Untergruppen waren allerdings klein (33 Männer). Fachinformation A sieht vor, die Dosis bei unzureichender Wirkung in einer Folgebehandlung anzupassen. Angewendet werden dürfen die Präparate nur von Ärztinnen und Ärzten mit geeigneter Qualifikation.

    Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

    In placebokontrollierten Studien zur Zornesfalte hatten 23,5 Prozent der mit Präparat A Behandelten Nebenwirkungen, die die Prüfärzte auf das Mittel zurückführten (Placebo: 19,2 Prozent). Die meisten waren leicht bis mittelschwer und vorübergehend.

    Häufig, also bei 1 bis 10 von 100 Behandelten, sind laut Fachinformation A Kopfschmerzen, Kribbeln, ein hängendes Oberlid, Übelkeit, Rötung, ein Spannungsgefühl der Haut und örtliche Muskelschwäche, dazu Schmerzen, Schwellung oder ein Bluterguss an der Einstichstelle. Gelegentlich kommen etwa Schwindel, Sehstörungen oder eine seitlich angehobene Augenbraue vor. Sehr selten breitet sich die Wirkung über den Injektionsort hinaus aus. Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen sind ein Notfall.

    Nicht angewendet werden darf Botulinumtoxin laut Fachinformation A bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei Myasthenia gravis oder Lambert-Eaton-Syndrom und bei einer Infektion an der Einstichstelle. Bestimmte Antibiotika (Aminoglykoside) können die Wirkung verstärken. In Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen (Faltenbehandlung bei Kinderwunsch, in Schwangerschaft und Stillzeit). Mehr zu den Risiken steht im Artikel über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen von Botulinumtoxin.

    Hyaluron: füllen statt entspannen

    Hyaluron-Filler sind keine Arzneimittel, sondern Medizinprodukte (Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte). Das Gel hebt die Falte von unten an, der Muskel arbeitet unverändert weiter. Infrage kommt das deshalb eher für Falten, die auch in Ruhe sichtbar bleiben. Ob ein Produkt für diese Region vorgesehen ist, steht in seiner Gebrauchsanweisung. Zur Kombination mit Botulinumtoxin gibt es nur wenige Daten: In einer kleinen Studie mit 38 Frauen mit tiefen Zornesfalten hielt das Ergebnis kombiniert im Median 32 Wochen, mit Hyaluron allein 18 Wochen (Studie: Kombination bei tiefen Zornesfalten).

    Die Glabella gehört zu den Regionen mit erhöhtem Risiko für Gefäßkomplikationen (Konsensus: Komplikationen von Hyaluron-Fillern). Gerät Filler in ein Gefäß oder drückt es ab, kann Gewebe absterben, sehr selten droht eine Erblindung. In einer weltweiten Auswertung von 98 Fällen mit Sehstörungen nach Fillern war die Glabella die häufigste Region (Review: Erblindung nach Fillern), in einer Folgeauswertung die zweithäufigste nach der Nase (Update-Review). Das absolute Risiko ist gering, die Folgen können schwer sein. Hyaluron lässt sich mit dem Enzym Hyaluronidase auflösen; der Konsensus empfiehlt, es griffbereit zu haben. Plötzliche starke Schmerzen, eine weiße oder bläuliche Verfärbung der Haut oder Sehstörungen sind ein Notfall.

    Den grundsätzlichen Unterschied der beiden Wirkstoffe erklärt der Artikel Botulinumtoxin oder Hyaluron.

    Pflege und Sonnenschutz: realistisch eingeordnet

    Pflege wirkt an der Haut, nicht am Muskel. Sinnvoll ist sie vor allem zur Vorbeugung. In einer randomisierten Studie mit 903 Erwachsenen unter 55 Jahren zeigte die Gruppe mit täglichem Sonnenschutz nach viereinhalb Jahren keine messbare Zunahme der Hautalterung; gegenüber der Vergleichsgruppe war sie um 24 Prozent geringer (Studie: Sonnenschutz und Hautalterung).

    Unter den Wirkstoffen ist Tretinoin, ein Vitamin-A-Abkömmling, bei lichtbedingter Hautalterung am gründlichsten untersucht. Retinoide können brennen und die Haut reizen; Retinol ist deutlich milder (Review: Retinoide bei Hautalterung; Systematische Übersicht: Behandlung von Falten). Die Studien betreffen meist feine Linien und lichtgeschädigte Haut, nicht tiefe Mimikfalten.

    Die Möglichkeiten im Vergleich

    MethodeWirkprinzipGedacht fürWirkdauerWichtigste Risiken
    Botulinumtoxin (verschreibungspflichtiges Arzneimittel)entspannt die Muskeln zwischen den Brauen vorübergehendmittelstarke bis starke Zornesfalten beim Stirnrunzelnlaut Fachinformationen bis zu etwa vier Monate; Typ E deutlich kürzerKopfschmerzen, Bluterguss, vorübergehend hängendes Oberlid
    Hyaluron-Filler (Medizinprodukt)füllt die Falte von unten auf; der Muskel arbeitet weiterFalten, die auch in Ruhe sichtbar sindmehrere Monate, je nach ProduktSchwellung, Knötchen; selten Gefäßverschluss mit Gewebeschaden oder Sehstörung
    Pflege und Sonnenschutzschützt die Haut und kann die Hautoberfläche verbessernVorbeugung und feine Liniennur bei regelmäßiger AnwendungHautreizung, vor allem durch Retinoide

    Häufige Fragen

    Wie lange hält Botulinumtoxin in der Zornesfalte?

    Laut Fachinformationen bis zu etwa vier Monate, bei manchen Behandelten etwas länger (Fachinformation B). Danach kehrt die Muskelaktivität zurück. Bei Botulinumtoxin Typ E ist die Wirkung deutlich kürzer (Fachinformation D).

    Ist die Zornesfalte danach dauerhaft weg?

    Nein. Die Wirkung ist vorübergehend, weil sich neue Nervenendigungen bilden (Fachinformation A). Falten, die schon in Ruhe eingegraben sind, glätten sich nicht immer vollständig. Auch ein hängendes Oberlid bildet sich mit nachlassender Wirkung zurück.

    Botulinumtoxin oder Hyaluron – was passt bei der Zornesfalte?

    Das hängt davon ab, wodurch die Falte sichtbar ist. Entsteht sie vor allem beim Stirnrunzeln, setzt Botulinumtoxin am Muskel an. Ist sie auch in Ruhe tief, kann ein Filler infrage kommen, mit dem besonderen Gefäßrisiko dieser Region. Eine allgemeine Rangfolge gibt es nicht.

    Warum findet man kaum seriöse Vorher-Nachher-Bilder?

    Für verschreibungspflichtige Arzneimittel wie Botulinumtoxin darf außerhalb der Fachkreise nicht geworben werden (§ 10 HWG). Für Unterspritzungen mit Hyaluron, die Nase oder Kinn verändern, hat der Bundesgerichtshof Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern untersagt (BGH, Urteil vom 31.07.2025, I ZR 170/24). Über andere Regionen hat das Gericht nicht ausdrücklich entschieden; die Begründung ist aber weit gefasst. Bei Bildern im Netz lohnt ein kritischer Blick: Licht, Blickwinkel, Mimik und Bildbearbeitung verändern den Eindruck stark.

    Was kostet die Behandlung, und zahlt die Krankenkasse?

    Eine ästhetische Faltenbehandlung zahlen Krankenkassen in der Regel nicht. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Ist absehbar, dass niemand sonst die Kosten übernimmt, muss vor Beginn der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informiert werden (§ 630c BGB).

    Was ist nach der Behandlung typisch?

    Rötungen, kleine Schwellungen oder ein Bluterguss an den Einstichstellen sind häufig und klingen meist rasch ab. Die Wirkung baut sich über Tage auf. Vorher lohnt die Frage, welches Präparat verwendet wird und an wen man sich wendet, wenn etwas auffällt.

    Aufklärung und amtliche Informationen

    Nutzen und Risiken einer Behandlung werden im Einzelfall im ärztlichen Aufklärungsgespräch besprochen (§ 630e BGB). Die vollständigen Angaben zu den zugelassenen Präparaten stehen in ihrer amtlichen Fach- und Gebrauchsinformation, abrufbar über das Arzneimittel-Informationssystem von PharmNet.Bund. Stand der Angaben: Oktober 2026.